Teamfoto Tür an Tür - Digitalfabrik

Wirkungsbericht 2025 veröffentlicht

Transparente Wirkungsberichterstattung ist zentraler Teil unserer Arbeit in der Tür an Tür – Digitalfabrik. Sie hilft, Entscheidungen im Organisationsalltag fundierter zu treffen, Ressourcen gezielter einzusetzen und transparent zu machen, wo wir stehen. Nun ist der Wirkungsbericht für 2025 veröffentlicht. Er dokumentiert als neunter Bericht in Folge die Ergebnisse, Erkenntnisse und offenen Punkte des vergangenen Geschäftsjahres. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Inhalte des Wirkungsberichts 2025 zusammen. Der vollständige Bericht steht hier als PDF zum Download bereit.

Unsere Vision: Digitale Innovation für eine vielfältige Gesellschaft

Ende 2024 haben wir für die Tür an Tür – Digitalfabrik eine klare Vision formuliert und damit den Fokus für unsere Arbeit geschärft. Im Zentrum der Vision stehen Neuzugewanderte – Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen nach Deutschland kommen und sich in einem neuen Umfeld orientieren müssen. Diese bei der Suche nach Informationen, dem Erwerb der deutschen Sprache oder dem Zugang zu Arbeit zu unterstützen und damit gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, ist Ziel unserer digitalen Angebote.
Diese Fokussierung spiegelt sich im Wirkungsbericht 2025 und in der gesamten Projektlandschaft wider. Zuvor war das Spektrum der Zielgruppen breiter gehalten. Die Entscheidung für einen klareren Fokus war das Ergebnis einer strategischen Auseinandersetzung mit der Frage, wo die Organisation den größten Beitrag leisten kann.
Integration ist ein mehrdimensionaler Prozess. Um einzuordnen, an welchen Stellen unsere Arbeit ansetzt, orientieren wir uns an folgenden sechs Dimensionen: navigatorische Integration (Zurechtfinden im System), sprachliche Integration (Erwerb der Landessprache), ökonomische Integration (Zugang zu Arbeit und Einkommen), soziale Integration (Netzwerke und Kontakte), psychologische Integration (Wohlbefinden und Zugehörigkeit) sowie politische Integration (Rechte und Beteiligungsmöglichkeiten). Gleichberechtigte Teilhabe setzt voraus, dass Menschen in allen Dimensionen ausreichend unterstützt und begleitet werden. Darauf zahlen auch die digitalen Angebote der Tür an Tür – Digitalfabrik ein.

Ergebnisse und Erkenntnisse aus den Projekten 2025

Die Integrations-Plattform: Integreat

Integreat ermöglicht Städten und Landkreisen, Neuzugewanderte mit lokalen Informationen in mehreren Sprachen zu versorgen. Das Angebot adressiert in erster Linie die navigatorische Integration: Wer sich in einem neuen System zurechtfinden muss, braucht verlässliche, verständliche und aktuelle Informationen – und diese so konkret und lokalspezifisch wie möglich.

Ende 2025 war Integreat in 128 Städten und Landkreisen verfügbar. Die Seitenaufrufe stiegen um über 15 % auf rund 5,4 Millionen, wobei etwa 58 % auf nicht-deutschsprachige Inhalte entfielen.
Die Arbeit im Jahr 2025 konzentrierte sich auf vier Bereiche: die Befähigung kommunaler Redaktionsteams zur zielgruppengerechten Aufbereitung von Informationen, die Verbesserung der Zugänglichkeit und Bedienbarkeit für Neuzugewanderte, die systematische Nutzung der Expertise von Städten und Landkreise zur Verbesserung der Arbeit mit Integreat sowie die Erprobung des chatbasierten Suchassistenten Frag Integreat. Der Suchassistent wurde in zehn Pilotkommunen getestet. Eine Auswertung von 969 Chats zeigt, dass die häufigsten Themen Aufenthaltsrecht, Wohnen und Spracherwerb sind – Fragen, die den konkreten Orientierungsbedarf der Zielgruppe widerspiegeln.

Die jährliche Kommunenumfrage wurde 2025 deutlich ausgeweitet: 124 vollständige Antworten (Vorjahr: 64) und 37 vertiefende Evaluationsgespräche liegen vor. Die Zufriedenheit mit dem Gesamtangebot liegt bei über 90 %. Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass zeitliche Ressourcen die größte Herausforderung für die kommunale Arbeit mit Integreat darstellen – ein Befund, der die Weiterentwicklung in Richtung wartungsärmerer Technik und automatisierter Prozesse bestärkt.

Eine 2025 im Journal of Quantitative Description veröffentlichte unabhängige Studie untersuchte anhand von über 11 Millionen Seitenaufrufen, wie Kommunen Integreat einsetzen und welche Themen besonders nachgefragt werden. Die Ergebnisse wurden bereits im Integreat-Blog ausführlich vorgestellt.

Für 2026 stehen zwei Ziele im Fokus: die nachhaltige Sicherung der Plattform durch Reduktion technischer Komplexität sowie der verstärkte Einsatz von Frag Integreat als unterstützende Funktion für noch passgenauere Informationen für Nutzende.

Der Deutsch-Vokabeltrainer für den Beruf: Lunes

Lunes unterstützt Menschen, die in Deutschland in einem Beruf mit Berufsausbildung arbeiten möchten und Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache lernen. Berufsspezifisches Fachvokabular wird in allgemeinen Sprachkursen kaum vermittelt, ist aber entscheidend für die Kommunikation im Arbeitsalltag.

Damit wirkt Lunes auf die sprachliche und die ökonomische Integrationsdimension gleichzeitig. Wer die Sprache des eigenen Berufsfeldes beherrscht, kann kompetenter kommunizieren und hat bessere Chancen, eine qualifikationsgerechte Beschäftigung zu finden und zu halten. Dass Menschen ihren erlernten Beruf ausüben können, hat darüber hinaus positive Auswirkungen auf das persönliche Wohlbefinden – denn berufliche Anerkennung und Selbstwirksamkeit sind eng mit dem Gefühl von Zugehörigkeit verknüpft.

Seit Ende 2024 wird Lunes als InnoVET-PLUS-Projekt unter dem Namen BILDSCHATZ vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Die Arbeit im Jahr 2025 konzentrierte sich in diesem Kontext auf drei Bereiche: die effiziente Erstellung und Erweiterung von Lernmaterialien (unter anderem durch KI-gestützte Prozesse, mit denen über 1.100 neue Vokabeln für fünf Berufe erstellt wurden), die Einbindung von Lernenden und Lehrkräften in die Weiterentwicklung sowie die Verbesserung der didaktischen Qualität der Übungen.

Eine Befragung von 37 Nutzenden ergab, dass das Erkennen des eigenen Lernfortschritts und die Freude am Üben die wichtigsten Motivatoren sind. Herausforderungen bestehen vor allem bei der Anwendung gelernter Wörter im Arbeitsalltag und bei komplexen Grammatikstrukturen. Diese Erkenntnisse bestätigen die Ausrichtung der geplanten neuen Lernmodi, die Schreiben, Lesen, Hören und Sprechen miteinander verbinden sollen. Auch die richtige Anwendung von Vokabeln im Kontext kann zukünftig geübt werden.

Im Austausch mit Berufsschulen wurde deutlich, dass großes Interesse an einem fertigen, qualitativ hochwertigen Lernwerkzeug besteht – die Kapazitäten, eigene Inhalte zu erstellen oder in ein Redaktionssystem einzupflegen, sind nämlich eingeschränkt. Diese Erkenntnis stärkt den Ansatz, umfangreiche Lerninhalte zentral bereitzustellen. Daher ist für 2026 geplant, Lerninhalte für eine Vielzahl an weiteren Berufen verfügbar zu machen und ein tieferes Verständnis für das tatsächliche Lernverhalten von Nutzenden aufzubauen.

Die Digitalen Berechtigungskarten

Viele Kommunen bieten mit Sozial-, Familien- oder Seniorenpässen Vergünstigungen an, die einkommensschwachen Menschen den Zugang zu Bildungs-, Kultur- und Freizeitangeboten erleichtern sollen. In der Praxis werden diese Leistungen jedoch nicht immer in Anspruch genommen. Aufwendige Antragsverfahren, fehlende Kenntnis über Ansprüche oder Sorge vor Stigmatisierung stehen der Nutzung im Wege. Für Neuzugewanderte kommen sprachliche Barrieren und fehlendes Systemwissen hinzu.

Die Digitalen Berechtigungskarten setzen hier an und adressieren damit vor allem die ökonomische Integrationsdimension, können aber auch auf die soziale Integration positiv wirken, etwa wenn durch vergünstigte Angebote neue Kontakte entstehen.

2025 war für dieses Projekt ein Jahr der strategischen Schärfung. Es wurde eine dedizierte Projektkoordination eingestellt, erstmals eine Wirkungslogik ausdefiniert und eine Produktvision formuliert. Ein wichtiger Meilenstein war zudem der Start des digitalen KoblenzPass. Damit ist Koblenz nach Nürnberg die zweite Kommune, die gemeinsam mit der Tür an Tür – Digitalfabrik eine digitale Berechtigungskarte für einkommensschwache Menschen eingeführt hat.

Systematische Wirkungsbeobachtungen auf Ebene der Berechtigten liegen bisher nicht vor. Erst wenn eine breitere kommunale Basis besteht, lässt sich die Perspektive der Berechtigten sinnvoll in den Blick nehmen. Für 2026 steht daher der Aufbau weiterer kommunaler Kooperationen im Fokus – als Grundlage dafür, in Zukunft die Wirkung bei den Menschen zu untersuchen, die die Karten selbst nutzen.

Weitere Projektentwicklungen

Neben Integreat, Lunes und den Digitalen Berechtigungskarten finden sich unter dem Dach der Tür an Tür – Digitalfabrik weitere Projekte im Kontext von Integration und Digitalisierung wieder, die aufgrund ihrer jeweiligen Struktur keine eigene Wirkungslogik erfordern: die Orientierungs-App Malte für Bewohnende von Flüchtlingseinrichtungen der Malteser Werke, die Einrichtung von WLAN-Netzwerken in Unterkünften für Geflüchtete in Augsburg, die Fallmanagement-Software Law & Orga für die Refugee Law Clinics, das Projekt „Digital für uns“ zur Erfassung digitaler Hürden bei der Behördenkommunikation sowie die Orientierungshilfe für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen Netzwerk Obdach & Wohnen. Details zu allen Projekten finden sich im vollständigen Wirkungsbericht.

Rückblick und Ausblick

2025 war für die Tür an Tür – Digitalfabrik ein Jahr der Konsolidierung und der strategischen Schärfung. Die geschärfte Vision und der klare Fokus auf Neuzugewanderte zeigen sich in der Projektlandschaft. Integreat wächst weiter und ermöglicht mit Frag Integreat bereits jetzt noch passgenauere Informationsvermittlung. Bei Lunes wird mit neuen Berufsfeldern und Übungen das Lernen von Fachvokabular Schritt für Schritt zugänglicher gemacht. Für die Digitalen Berechtigungskarten wurden mit einer eigenen Wirkungslogik und dem Start in Koblenz wichtige Entwicklungen in Richtung Skalierung vollzogen.

Das alles geschieht im Rahmen unseres Sozialunternehmens mit 39 hauptamtlichen und 15 ehrenamtlichen Teammitgliedern. Die Kooperation mit Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Forschungseinrichtungen und weiteren Partnern bildet das Fundament dieser Arbeit. Wir möchten uns herzlich bei allen bedanken, die unsere Arbeit 2025 unterstützt und begleitet haben.