Maximilianmuseum

Maximilianmuseum, Augsburg, 2021. Foto: Ricardalovesmonuments, Wikimedia Commons.
Die Türkenuhr: Osmanische Einflüsse im Augsburger Kunsthandwerk
Augsburg war im 16. und 17. Jahrhundert ein Ort, an dem sich Europa und das Osmanische Reich kulturell begegneten. Diplomatische Geschenke für den Sultan, oft kunstvolle Prestigeobjekte, wurden regelmäßig bei Augsburger Handwerkern in Auftrag gegeben. In diesem Umfeld entstand 1670 auch eines der außergewöhnlichsten Werke jener Zeit: die sogenannte Türkenuhr.
Die prunkvolle Tischuhr wurde von Uhrmacher David Buschmann und Goldschmied Samuel Frey gefertigt. Die beiden Künstler verwendeten viele edle Materialien, darunter Gold, Silber, Emaille, Elfenbein, Ebenholz, Schildpatt und Edelsteine. Die Uhr verbindet technische Präzision mit einer Gestaltung, die von der osmanischen Kultur inspiriert ist. Besonders auffällig ist das Ziffernblatt, auf dem osmanische Ziffern verwendet werden. Darüber steht eine vergoldete Reiterfigur im osmanischen Stil, die mit einer Lanze einen Drachen besiegt. Diese Darstellung zeigt das starke europäische Interesse an osmanischen Motiven. Die feine Ausführung lässt vermuten, dass die Uhr ursprünglich für eine Präsentation am Hof eines Sultans bestimmt war.

2. Prunkuhr („Türkenuhr“), Augsburg, um 1670–1680. Foto: Hajotthu, Wikimedia Commons.
Zur selben Zeit entstanden in Augsburg weitere kunstvolle Uhren, die osmanische Formen aufgriffen. Ein bedeutendes Beispiel ist die tulpenförmige Anhängeuhr des Uhrmachers Samuel Berckmann. Die Tulpe gelangte im 16. Jahrhundert aus dem Osmanischen Reich nach Europa und wurde schnell zu einer begehrten Pflanze. Berckmanns Uhr erinnert an eine geschlossene Tulpenknospe. Wenn sich die drei Blätter öffnen, erscheint ein silbernes Zifferblatt mit römischen Zahlen. Die Formgestaltung spiegelt sowohl das botanische Interesse der Zeit als auch die anhaltende Faszination für osmanische Ästhetik wider.
Seit Eröffnung des Maximilianmuseums im Jahr 1855 werden diese Kunstuhren im Zusammenhang mit dem reichen Augsburger Kunsthandwerk gezeigt. Die Türkenuhr und die tulpenförmige Anhängeuhr gehören zu den bedeutenden Objekten der Sammlung. Sie machen deutlich, dass sich Augsburger Künstler von der osmanischen Kultur inspirieren ließen.
Türkeistämmige Spuren in Augsburg
- Augustusbrunnen – Römisches Erbe in Augsburg und in der Türkei
- Weberhaus – Wo steht die osmanische Welt in der Augsburger Textilgeschichte?
- Kresslesmühle – Als Ort des Ankommens und Mitgestaltens
- Höhmannhaus – Fatma, eine osmanische Frau in Augsburg
- Brechthaus – Brecht und Nazım Hikmet im Dialog
- Mozarthaus – Die Mozart Familie und der Klang der Musik bis in die Türkei
- Textilviertel – Sie suchten nach Arbeit und fanden eine neue Heimat
- Augsburger Dom – Warum eine osmanische Fahne im Dom hängt?
Das Projekt „Meine Stadt – Meine Geschichte“ beschäftigt sich mit der Ausarbeitung und Digitalisierung der migrantisch geprägten Stadtführungen und ist Teil von DIWA 4.0. Das EU-geförderte Projekt DIWA 4.0 unter der Leitung des Büros für gesellschaftliche Integration der Stadt Augsburg setzt sich aktiv für die gleichberechtigte Teilhabe Neuzugewanderter und ein respektvolles Miteinander ein. Mehr Informationen: augsburg.de/diwa
