Aushandlungsrat Ideenschmiede Augsburg diskutiert Forderungen im Stadtteil Rechts der Wertach

Forderungen aus dem Stadtteil: Ideenschmiede ID² bringt Anliegen aus „Rechts der Wertach“ in die Kommunalpolitik

Das Projekt Ideenschmiede ID² bündelt Forderungen aus Augsburg „Rechts der Wertach“ und bringt sie in den Dialog mit der Kommunalpolitik. Ein Überblick über Inhalte und Reaktionen.

Quartiersentwicklung von unten: Was hinter dem Projekt ID² steckt

Wie kann Stadtentwicklung gelingen, wenn die Perspektiven der Bewohner*innen im Mittelpunkt stehen? Genau hier setzt das Projekt Ideenschmiede diversitätssensible Demokratisierung (ID²) an.

Über einen Zeitraum von drei Jahren schafft das Projekt in mehreren Augsburger Stadtteilen neue Beteiligungsformate – mit dem Ziel, demokratische Teilhabe zu stärken und vielfältige Stimmen sichtbar zu machen. Im Fokus stehen insbesondere Themen wie Wohnen, Wohnumfeld und Gesundheit, die im Alltag der Menschen unmittelbar spürbar sind.

Kern des Projekts ist der sogenannte Aushandlungsrat: ein Gremium aus Bewohner*innen, Nutzer*innen und lokalen Multiplikator*innen. Hier werden Erfahrungen gebündelt, Probleme benannt und konkrete Lösungsansätze entwickelt – aus dem Stadtteil heraus.

Ergänzt wird diese Arbeit durch das Team der Ideenschmiede und Bezirkssprechstunden, die einen niedrigschwelligen Zugang ermöglichen und den Austausch zwischen Bürgerschaft, Verwaltung und Politik fördern.


„Wir reden mit!“ – Forderungen aus dem Aushandlungsrat

Ein erstes zentrales Ergebnis dieses Prozesses ist der aktuelle Forderungskatalog des Aushandlungsrats „Rechts der Wertach“.

Er basiert auf Umfragen, Gesprächen und intensiver gemeinsamer Arbeit im Stadtteil und formuliert konkrete Erwartungen an Politik und Verwaltung.

Die Forderungen gliedern sich in mehrere zentrale Handlungsfelder:

1. Verkehr und Barrierefreiheit

  • Sichere, barrierefreie Gehwege und abgesenkte Bordsteine
  • Klare Regelungen für Nutzung von Gehwegen
  • Reduzierung des Durchgangsverkehrs und bessere Radinfrastruktur

2. Öffentlicher Raum und Aufenthaltsqualität

  • Aufwertung von Spielplätzen und Grünflächen
  • Mehr Sitzgelegenheiten und sichere Zugänge zur Wertach
  • Neue Orte für Kinder, Familien und Jugendliche

3. Sauberkeit und Müll

  • Mehr öffentliche Mülleimer
  • Bessere Information zu Sperrmüll
  • Unterstützung digitaler Lösungen wie der App „MÜLLweg!“

4. Gleichwertige Lebensverhältnisse

  • Ausbau von Angeboten und Infrastruktur im Stadtteil
  • Bessere Sichtbarkeit bestehender Einrichtungen und Initiativen

5. Beteiligung und Dialog

  • Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Stadt, Politik und Bürgerschaft
  • Stärkere Einbindung von Bewohner*innen in Entscheidungsprozesse

6. Konsumfreie Orte und Gemeinschaft

  • Aufbau eines selbstverwalteten Community-Centers
  • Räume für Begegnung, Bildung und Beratung unabhängig von Konsum

Der Forderungskatalog versteht sich ausdrücklich als Einladung zur Zusammenarbeit – und als Ausgangspunkt für konkrete politische Prozesse.


Reaktionen aus der Kommunalpolitik: breite Zustimmung, konkrete Anknüpfungspunkte

Die Rückmeldungen von Augsburger Kommunalpolitiker*innen zeigen ein klares Bild: Die Forderungen stoßen auf breite Zustimmung und werden als wichtige Grundlage für zukünftige Stadtentwicklung gesehen.

Johanna Reski (Die Linke, neu im Stadtrat)
Sie unterstützt den Forderungskatalog vollständig und bringt zusätzliche Impulse ein, etwa den Ausbau von Jugendzentren als präventiven Ansatz für Nutzungskonflikte im öffentlichen Raum. Besonders hebt sie die Bedeutung konsumfreier Orte und Netzwerke hervor und signalisiert Bereitschaft zur konkreten Zusammenarbeit.

Bruno Marcon (Augsburg in Bürgerhand, wiedergewählt)
Er bezeichnet das Projekt als „inspirierendes Beispiel“ für demokratische Beteiligung im Stadtteil. Aus seiner Sicht zeigt der Prozess, wie Menschen eigenständig ihre Interessen formulieren und politisch wirksam machen können – ein Modell mit Potenzial über den Stadtteil hinaus.

Meinolf Krüger (Bündnis 90/Die Grünen, bisher Stadtrat)
Er teilt sowohl die Problemanalyse als auch die Forderungen ausdrücklich. Besonders betont er das Potenzial bürgerschaftlichen Engagements und sieht im Projekt einen Ansatz, wie nachhaltige Stadtentwicklung gemeinsam gestaltet werden kann.

Ibrahim Yarasir (SPD, nicht gewählt)
Er würdigt den Forderungskatalog als wichtigen Beitrag für eine „lebendige und gerechte Stadtentwicklung“ und hebt die Bedeutung des direkten Austauschs mit engagierten Bürger*innen hervor. Ein weiterer Dialog wurde ausdrücklich angeboten.


Einordnung: Beteiligung als Grundlage für nachhaltige Stadtentwicklung

Die Reaktionen zeigen, dass der Forderungskatalog nicht nur als Sammlung von Anliegen wahrgenommen wird, sondern als legitime, fachlich fundierte Stimme aus dem Stadtteil.

Auffällig ist dabei:

  • Hohe inhaltliche Übereinstimmung zwischen den Rückmeldungen und Aushandlungsrat
  • Anerkennung des partizipativen Prozesses als demokratisches Instrument
  • Bereitschaft zum Dialog und zur Umsetzung

Die eigentliche Herausforderung liegt nun in der Überführung der Forderungen in konkrete Maßnahmen.

Wie es weitergeht

Das Projekt ID² versteht den Forderungskatalog nicht als Abschluss, sondern als nächsten Schritt im Prozess.

Mit Formaten wie Bezirkssprechstunden, öffentlichen Veranstaltungen und Gesprächen mit politischen Akteur*innen soll der Dialog fortgesetzt und die Umsetzung der Forderungen begleitet werden.

Denn nachhaltige Stadtentwicklung entsteht dort, wo Menschen nicht nur gehört werden – sondern aktiv mitgestalten können.

Kontakt & Mitmachen
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📧 ideenschmiede@tuerantuer.de
📱 01578 6234607
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