Eine Zeitung für die Straße entsteht

Zum Jahresende 1994 verkauften Obdachlose zum ersten Mal die Münchner Straßenzeitung "BISS - Bürger in sozialen Schwierigkeiten" auch in Augsburg. Schnell war klar: Die Augsburger Leser wollen Informationen aus ihrer Stadt. München ist zu weit weg - außerdem gibt es in Augsburg eigene Probleme, eigene Hilfestellen und eigene Obdachlose. Die Idee einer "Lokalausgabe" war geboren. Die Sozialarbeiter der SKM-Wärmestube, die den Verkauf von "BISS" organisiert hatten, luden Ende Februar 1995 zum ersten Redaktions-Treffen ein. Schon Ende März 1995 gab's dann die erste Beilage aus Augsburg: Acht Seiten stark, etwa 1500 Stück Auflage, schwarz-weiß, mit Klebe-Umbruch im Schnelldruck-Verfahren hergestellt. Darin Themen wie die Sammelunterkunft Rabenbad, Alkoholabhängigkeit, ein Portrait über Maria, die Bettlerin, oder die Wärmestube des SKM.

Von "Biss" zu "Tür an Tür e.V."

Die Augsburger Lokalausgabe erscheint also seit März 1995 alle zwei Monate. Die Redaktion besteht aus Obdachlosen, Arbeitslosen, Sozialhilfeempfängern, Fotografen, Journalisten, Sozialarbeitern und Leuten, die ganz was anderes machen. Redaktionsarbeit war und ist komplett freiwillig - also ohne Honorare & Zeilengeld. Verdienen sollen allein die Verkäufer; der Erlös wird ausschließlich für die Druckkosten verwendet.

Die Augsburger Lokalausgabe war stetig gewachsen: Von acht Seiten auf immerhin 20 Seiten bis Mitte 1996. Die kleine Beilage zu "Biss" aus München war schon recht groß geworden. Dazu kam, daß die Buchhaltung & Organisation zwischen Augsburg und München kompliziert wurde. Und so suchte die Augsburger Ausgabe zum Jahresende 1996 einen neuen Namen und einen neuen Träger. Herausgeber wurde dann der Verein "Tür an Tür - miteinander wohnen und leben e.V.", der zum Beispiel wegen des Engagements im Augsburger Wohnbüro und in der Asylarbeit gut zu einer Straßenzeitung paßte.

Der neue Name war allerdings ein Problem: Nach vielen Diskussionen und noch mehr Vorschlägen einigte sich die Redaktion auf "Riss - Augsburgs Zeitung für soziale Themen". Der Riss steht dabei für die gesellschaftliche Kluft zwischen Armen und Reichen - aber auch für den Bruch in der Biografie vieler Obdachloser. Die erste Ausgabe mit neuem Namen erschien Anfang 1997 - 20 Seiten stark und erstmals mit der typischen, grünen Ecke. Themen waren: Das Bodelschwingh-Haus als Übernachtungsmöglichkeit für Obdachlose, die neue Wärmestube in Schwabmünchen, bosnische Flüchtlinge, der "schlaue Job" eines Sozialarbeiters oder die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Emmaus.

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Wärmestube
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