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Der Verein Tür an Tür, 1992 gegründet, betreibt im ehemaligen Augsburger Straßenbahndepot, heute als Industriedenkmal geschützt, das Zentrum für interkulturelle Beratung (zib). Flüchtlinge, Asylsuchende und Migranten finden hier kompetente Ansprechpartner, Sprachkurse und Beratung bei der Suche nach Job und Wohnung.

Das kürzlich eröffnete Café ergänzt das Angebot nun um ein „Wohnzimmer“ zur informellen Begegnung. Hier warten Asylsuchende auf ihren Beratungstermin, Meetings der Aktiven, Stammtische und Arbeitsgruppen, Familientreffen, Konzerte und Feste finden hier Platz.

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Eine alte Busgarage im Werkstättentrakt des Geländes bot das räumliche Potential, der drohende Konflikt mit Quartiersbewohnern anläßlich der Eröffnung einer Sammelunterkunft für Asylbewerber in der Nachbarschaft den aktuellen Anlaß, der Umbaumaßnahme Chancen zur Beteiligung, Integration und Identifikation abzugewinnen.

So wurde der Kompetenzpool der Tür-an-Tür-Aktiven intensiv in die Planung einbezogen, in Quartiersworkshops Bedarf und Wünsche von Nachbarn abgefragt, im Bauprozeß jede sich bietende Hand beteiligt: Schüler, Studenten, Nachbarn und Asylsuchende mischten sich mit Handwerkern zu bunten Bautrupps.

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Den Holzton der Dachbalken und das Weiß der Wände unter jahrzehntealtem Werkstattstaub freilegen, die Dachuntersicht wärmedämmen und mit Holzwolleplatten akustisch optimieren, sägerauhe Tannedielen verlegen, Lärchenlatten zu Bänken verschrauben, die Oberflächen maßgefertigter Ahorntische schleifen, den Lack der Thekenfront auf Hochglanz polieren und Patchworks nähen – das können viele, mit Hilfestellung auch Ungelernte. Zum Gelingen trugen hier der reichliche Zeitrahmen, eine auf Low-Tech-Fertigung zielende Detailplanung, die Baustellenpräsenz des Architekten, sowie Handwerker bei, die, durch langjährige Zusammenarbeit mit dem Verfahren vertraut, bereitwillig ehrenamtliche Helfer in ihre Leistungen integrierten.

So präsentiert das Café mittlerweile die Namen von mehr als fünfzig Beteiligten auf seinen bunten Sitzkissen: Hans, Christine, Hadice, Temesghen, Bernhard, Ozgour, Johannes, Hakan, Mike, Kadir, Habibe...

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Das partizipative Verfahren ließ neben dem materiellen Bau sozialen Mehrwert wachsen: Milieuübergreifende Allianzen entstanden, die den gemeinsam geschaffenen Raum nun, moderiert durch Tür an Tür, als bedarfsorientierte Kreativwerkstatt und offene Begegnungsplattform nutzen: Schwangere und Mütter tauschen sich aus, ein Handarbeitskreis näht und strickt, Kochgruppe und Literaturkreis bieten internationale Kost, samstagnachmittags flimmern die Bundesligaspiele über die (gespendete) Leinwand, sonntags entwickelt der asylpolitische Frühschoppen praxisnahe Impulse. Augsburger Studenten programmieren eine Flüchtlings-App für Smartphones, in Arabisch, Farsi und Urdu. Der tägliche Cafébetrieb wird durch zwei neu geschaffene Stellen und Ehrenamtliche gemeinsam getragen. Mindestens fünfundzwanzig warme Mittagessen gehen mittlerweile an Angestellte benachbarter Betriebe und der Arbeitsagentur auf der anderen Straßenseite, alles zum Gegenwert einer freiwilligen Spende.

Auch das komplette Baubudget deckten Geldspenden, Sachspenden wie der Profi-Kickertisch, die Gewerbespülmaschine, Samowar und Beamer komplettieren die Ausstattung.

Seit einem knappen Jahrzehnt praktizieren Günther Prechter, Architekt in Bregenz, und Thomas Körner-Wilsdorf, Kunstlehrer und Bauverantwortlicher am Augsburger Holbein-Gymnasium, gemeinsam „Bauen als Selbsthilfe“. Mit dem Café Tür-an-Tür fällt das methodische Know-how aus ihrem partizipativen Architekturverständnis mit dem tagesaktuellen Bedarf an robusten Integrationsmodellen zusammen.

Ihr nächstes Projekt soll ein Mehrfamilienhaus für Flüchtlinge sein. Am liebsten ein innerstädtischer Altbau, von den zukünftigen Bewohnern selbst saniert...

Café Tür-an-Tür

Wertachstraße 29
D-86153 Augsburg

Bauherr

Tür-an-Tür e.V.

Wertachstraße 29
D-86153 Augsburg

www.tuerantuer.de

Entwurf, Planung, Bauleitung

Dr.-Ing. Günther Prechter, Architekt

Weiherstraße 6
A-6900 Bregenz

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Thomas Körner-Wilsdorf

Römerweg 13
D-86199 Augsburg

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0049 (0) 174 4830 505

Fotos

Ramona Stonner, Augsburg

Bauzeit

Februar 2013 bis September 2015

Baukosten

  • 55.000.- Euro aus Spenden
  • Ehrenamtliche Arbeitsleistung
  • Sachspenden (Kickertisch, Beamer, Leinwand, Samowar, Küchengeräte)

Nutzfläche

  • 100 m2 Hauptnutzfläche
  • Saniär- und Lagerräume

 

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Öffnungszeiten

Mo-Di:
08:00 - 18:00
Mi:
08:00 - 21:30
Do:
08:00 - 18:00
Fr:
08:00 - 12:00
Sa-So:
14:00 - 18:00

Tel.: 0821 / 650 754 50

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